Ort & Historie | Kulturelles

Gartenfest Schloss Wolfsgarten

Ein Ort künstlerischer Verwirklichung des Jugendstils

Die großherzogliche Familie von Hessen-Darmstadt verdient in der deutschen Kunstgeschichte höchste Anerkennung für die Förderung der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe. Diese epochale Bewegung hatte einen nachhaltigen Einfluss auf die gestaltenden Tendenzen des 20. Jahrhunderts und fanden auch im Park von Jagdschloss Wolfsgarten einen wunderbaren und einmaligen Ausdruck im Prinzessinnenhaus.

Das Prinzessinnenhaus steht reizvoll mitten im Park von Wolfsgarten und wurde von Joseph Maria Olbrich als Spielhaus für die 7-jährige Prinzessin Elisabeth von Hessen und bei Rhein erbaut. Es ist einzigartig in Deutschland und zugleich einziges Bauwerk des berühmten Jugendstilarchitekten, das in seiner Originalsubstanz erhalten ist. Elisabeth war die Tochter des Großherzogs Ernst Ludwig (1892-1918) mit Victoria Melita von Sachsen-Coburg-Gotha. Elisabeth starb am 16. November 1903 an Typhus während einer Russlandreise zu ihrem Onkel, Zar Nikolaus II nur ein Jahr nach der Fertigstellung ihrer Spielbehausung.

1899 war Olbrich (1867 - 1908, prägender Kopf der Mathildenhöhen-Bewegung) vom kunstbegeisterten Großherzog Ernst Ludwig nach Darmstadt berufen worden, um in Künstlerkolonie mitzuwirken, deren Leitung er dann auch bald übernahm. Das Prinzessinnenhaus ist die Mischung aus einer Villa und einem Landhaus, aber auf kindliche Bedürfnisse ausgebaut. Es besteht aus einer Ziegel-Fachwerkkonstruktion, ist eingeschossig und hat zwei Räume, einen Salon und eine Küche. Die Raumhöhe beträgt 1,90 Meter. Dem Stand der Prinzessin angepasst sind die Initialen E, die überall am und im Haus angebracht sind. Von außen gesehen, dominiert das hohe, über Eck gebaute Dach. Auffällig sind der hohe weiße Schornstein mit einer ovalen seitlichen Öffnung und die große vergoldete Krone auf dem Dach. Das Spielhaus ist von einem blauen Holzzaun umgeben, auf dessen Pfosten vergoldete Tauben sitzen.

Der kunstsinnige Architekt entwarf es als Gesamtkunstwerk: Die Architektur, sämtliche Möbel, die Tapete und die Gartengestaltung gehen auf ihn zurück. Die Biedermeierelemente, die Olbrich am Prinzessinnenhaus zum ersten Mal verwendete, sollten einige Jahre später in der sogenannten Landhausarchitektur eine wichtige Rolle spielen.

Später wurde das Spielhaus von den beiden Prinzen Georg Donatus und Ludwig benutzt. Ihre Initialen sind an den Türpfosten zwischen dem Salon und der Küche eingeschnitzt. 1996 wurde es mit Unterstützung der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz grundlegend restauriert.

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